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Der Koloss von Prora auf Rügen
Joachim Wernicke und Uwe Schwartz, 3., aktualisierte u. erweiterte Auflage, 180 Seiten, 375 Abb. u. Pläne, davon 220 farbig, 19 x 19 cm, Paperback
ISBN 3-7845-4903-3, 14.80 EUR

2015 aktualisierte und von 156 auf 180 Seiten erweiterte Auflage!
Vier Fünftel des Baudenkmals Prora auf Rügen wurden von drei Bundesregierungen trotz vielfältiger Mahnungen an ­private «Investoren» verkauft und von diesen entstellt.
Teile der Anlage verfallen auch 2015 zusehends. Dennoch zieht unerwartet Leben ein ...
Prora ist bekannt als die 7 km lange Anlage, die als Strandhotel 20.000 Urlauber der nationalsozialistischen Organisation «Kraft durch Freude» aufnehmen sollte, aber niemals ganz fertiggestellt wurde. In ihrer Gigantomanie ist die Prora-Anlage nur mit dem ­nürnberger «Reichsparteitags»-Gelände vergleichbar. Sie ist damit das größte bauliche Dokument der NS-«Sozialpolitik». Die Autoren ­setzen sich auch mit der Frage auseinander, inwieweit es sich hier überhaupt um «NS-Architektur» handelt, und sie ziehen Vergleiche zu zeitgleichen Projekten in Europa.
Prora ist aber auch – das sollte nicht vergessen werden – Zeuge der vierzigjährigen DDR-Geschichte und stark dadurch geprägt. ­Dieser Zeit in Prora, hauptsächlich in militärischer Nutzung, widmen sich die Autoren ausführlich.
Prora ist schließlich, und das ist geradezu empörend, Zeuge der Verfehlungen aller Nachwende-Bundesregierungen in der angemessenen Nutzung der Prora-Anlage. Obgleich unter Denkmalschutz ­stehend und Mahnmal gegen zwei Dikta­turen in Deutschland, ließ man die Bauten jahrelang verfallen und begann um 2000, die Immobilie stückweise zu vermarkten, an «Investoren», die sie weiter verfallen ließen und teils gewinnbringend weiterverkauften. Allein der Bericht über die begleitenden Vorgänge im Deutschen Bundestag ist eine spannende Geschichte für sich. Lediglich einer der fünf Baublöcke blieb in öffentlichem Eigentum und ist heute zu einem Viertel als Jugendherberge ausgebaut – der Rest dieses Blockes verfällt weiter.
Doch um 2013 begann in den privatisierten Blöcken der Ausbau zu Eigentumswohnungen und deren Verkauf. Die Furcht vor dem Zusammenbruch des Euro mag dazu beigetragen haben, dass viele Bundesbürger in einer Ferienwohnung in Prora eine Sicherheit erhoffen. 2015 war dieser Ausbau Proras in ­vollem Gange. Es ist zu erwarten, dass schließlich knapp 2.000 Ferienwohnungen in direkter Strandlage um die Vermietung an Urlauber konkurrieren werden – eine späte Realisierung der massentouristischen Zielvorstellungen der einstigen Bauherren.
Viele Menschen, die Prora allenfalls aus dem Medien kannten, werden dort am feinen Sandstrand ihre Ferien verbringen und sich fragen, wie dieser bauliche Gigant dort hingekommen ist.

In der Entwicklung über drei Auflagen stellt das Buch «Der Koloss von Prora auf Rügen» heute den umfassendsten Gesamtüberblick zu Prora auf dem Buchmarkt dar, in kurzweiliger Darstellung.

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