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Hermann Henselmann und die Moderne Eine Studie zur Modernerezeption in der Architektur der DDR
Elmar Kossel, Hrsg. v. Adrian von ­Buttlar und Kerstin Wittmann-Englert in der Reihe Forschungen zur Nachkriegsmoderne des Fachgebietes Kunstgeschichte am Institut für Kunstwissenschaft und ­Histo­ri­sche Urbanistik der Technischen ­Universität Berlin. 200 Seiten, 200 s/w- und 2 Farb-Abb.. 24,5 x 17 cm, fadengehefteter Festeinband
ISBN 3-7845-7405-9, 39.00 EUR

Dieses Buch über Hermann Henselmann (1905-1995) stellt erstmals das Verhältnis des ehemaligen Chefarchitekten von Ost-Berlin zur Moderne im wechselnden politischen Kontext ausführlich in den Focus der Betrachtung.
Henselmann gilt vielen noch immer als Vater der historisierenden Stalinallee. Jedoch setzte er sich Zeit seines Lebens gegen viele politische Widerstände für eine moderne Architekturauffassung ein.
Als gelernter Raumgestalter konnte bereits in jungen Jahren an der Seite des Filmarchitekten Alexander Ferenczy eine extravagante Villa am Genfer See mit entwerfen – nach Ferenczys unvermittelten Unfalltod 1931 behauptete Henselmann allerdings, die modernistische Villa KenWin sei allein sein Werk. Aus heutiger Sicht markiert dies den Beginn einer Selbststilisierung, mit Hilfe derer Henselmann stets eloquent seine Position in wechselnden politischen Kontexten zu behaupten wusste.
Während der NS-Zeit, die Henselmann, nach eigener Aussage, vorwiegend lesend im inneren Exil verbrachte, war er (wie viele Vertreter seiner Generation, die nicht emigrierten) im Industriebau angestellt, wo die Moderne ihren festen Platz innerhalb der Stilhierarchie der Nationalsozialisten hatte. Darüber hinaus baute er im besetzten Polen Bauerngehöfte für sogenannte „Volksdeutsche“, die zu den Musterprojekten der Zeit gerechnet werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Henselmann in der „SBZ“ als Direk­tor und Professor der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar eine Karriere als Architekt und Hochschullehrer. Ihm gelang es dabei, Modellplanungen zu entwickeln, die nicht nur für den Wiederaufbau in Thüringen Maßstäbe setzten, sondern auch später für die DDR wegweisend wurden. Nach der NS-Zeit suchte er die neue sozialistische Gesellschaft mit einer modernistischen Architektur zu versinnbildlichen. In den 1950er Jahren geriet die Moderne jedoch durch die nach stalinistischem Vorbild eingeführte Architektur der „nationalen Traditionen“ in Misskredit, so dass Henselmann erwog, die DDR zu verlassen. Auch wenn er sich nur widerwillig darauf einließ, konnte er stadtbildprägende Bauten realisieren. Während der 1960er Jahre gelang es ihm schließlich, eine Moderne mit sozialistischem Antlitz als Staatsarchitektur in der DDR durchzusetzen.
Dieses Buch ist weder eine Monographie noch eine Biographie über Henselmann, vielmehr verdeutlicht die Studie am Beispiel seines Werks, dass das formale Instrumentarium der Moderne zu keinem Zeitpunkt an einen festen (politischen) Inhalt gebunden war.

Der Autor: Elmar Kossel wurde 2008 mit dieser Arbeit an der FU Berlin bei Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk promoviert. Als Postdoc-Stipendiat und Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz, Max-Planck-Institut, forschte er zur Architektur und Städtebau im Faschismus und zur Moderne in Italien. 2013 erscheint vom selben Autor die kommentierte Übersetzung des Tagebuches des italienischen Archäologen und Kunsthistorikers Ranuccio Bianchi Bandinelli: „Hitler, Mussolini und ich. Aus dem Tagebuch eines Bürgers“. Elmar Kossel lebt als freier Kunsthistoriker und Übersetzer in Florenz.

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