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Zisterzienserabtei Lehnin Von der askanischen Familiengrablege zur Einrichtung evangelischer Nächstenhilfe
Stephan Warnatsch, Aufnahmen von Volkmar Billeb, 2., aktualisierte Auflage. 62 S., 101 Abb., davon 53 farbig. 24,5*17 cm, Paperback.
ISBN 3-7845-0816-0, 6.90 EUR

In der Geschichte der Mark Brandenburg spielt die ehemalige Zisterzienser-Abtei Lehnin, ca. 30 km westlich Berlin, eine bedeutende Rolle. Der berühmteste Vertreter des Herrscherhauses der Askanier, Albrecht der Bär, hatte in der Zeit Heinrichs des Löwen die unter Kaiser Otto dem Großen an die Slawen verlorene Mark, später Mark Brandenburg genannt, zurückgewonnen. Sein Sohn Otto I. gründete 1180 das Kloster Lehnin in der Zauche als Grablege und als Ort der Memoria für die Familie der märkischen Askanier. Natürlich war dies auch ein Akt der Landesdurchdringung und der Festigung der Herrschaft, ja sogar Zeichen des Anspruchs der Dynastie auf königliche Würden.
Der erste Konvent kam aus Sittichenbach und stand in derselben Filiation wie Walkenried, war also technisch bestens vorgebildet. Die zahlreichen Probleme der Neugründung konnten die Mönche in der bei den damaligen Zisterziensern oft anzutreffenden Verbindung von innovativer Technik mit ihrer Ästhetik des Maßes lösen.
Aus dem Mittelalter stehen heute in Lehnin außer der nach mehreren Umplanungen um 1270 vollendeten Klosterkirche noch Teile des Ostflügels des Kreuzgangs und der Kapitelsaal, das sog. Abtshaus, das sog. Königshaus, das Kornhaus und das Falkonierhaus. Die Kirche ist einer der bedeutendsten Bauten der norddeutschen Backsteingotik. Sie wirkte vielfältig auf spätere Zisterzienserbauten, so auf Chorin, Colbatz, Eldena und Pelplin.
Im Rahmen seiner Beschreibung von Geschichte und Gestalt der heutigen Anlage legt der Autor überzeugend seine Vorschläge zur Datierung des bisher unklaren Bau-Verlaufs der Kirche dar, deren heutige Westhälfte großenteils eine Rekonstruktion des späten 19. Jahrhunderts ist.
Von der mittelalterlichen Ausstattung ist kaum etwas erhalten, da das Kloster 1542 säkularisiert wurde und in hohenzollernschen Staatsbesitz überging. Gleichwohl verfügt die Kirche heute wieder über ein mittelalterliches märkisches Triumphkreuz und einen spätgotischen Schnitzaltar, von der originalen Ausstattung sind die gemauerte Altarmensa, zwei Grabplatten und Reste der mittelalterlichen Ausmalung erhalten.
Die seit dem späten 18. Jahrhundert zunehmend verfallene Kirche wurde erst nach 1870 restauriert und teil-rekonstruiert. 1911 erwarb die Evangelische Kirche mit Unterstützung des hohenzollernschen Kaiserhauses die Gebäude und richtete in der Klosteranlage ein Diakonissen-Mutterhaus unter dem Namen Luise-Henrietten-Stift ein. Seit den 1920er Jahren kamen Kliniken hinzu. Das Stift mit seinen Kliniken ist heute ein „Leuchtturm der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“.

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