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Der Bordesholmer Altar (1521) und die anderen Werke von Hans Brüggemann
Richter, Jan Friedrich, 64 Seiten 24,5 x 17 cm, 100 Abb., davon 30 farbig, fadengebundene Klappenbroschur
ISBN 3-7845-0299-1, 7.00 EUR (lieferbar ab 01.07.2019)

1521 (in diesem Jahr stand Martin Luther vor dem Reichs­tag zu Worms) wurde der wohl größte Schnitzaltar Norddeutschlands für die Augustiner Chor­herren-Stiftskirche in Bor­des­holm (Kreis Rendsburg) fertig­gestellt bis auf die Bemalung der Flügel-Außen­seiten (die nie erfolgte). Die Arbeiten könnten um 1515 be­­gonnen haben, zwei Jahre vor Luthers »The­sen-Anschlag« an der Schlosskirche zu Wit­ten­berg. Heute steht der Altar, wie seit 1666, im Dom zu Schles­wig, wo der Stifter sein Grab hat.
Als Stifter gilt der (in der Bordes­holmer Stifts­schule erzogene) Herzog Friedrich von Schles­wig-Hol­stein-Gottorf (*1471, ab 1523/24 als Friedrich I. Kö­nig von Dänemark / und Nor­we­gen, †1533), beraten von seinem Kanz­ler Gottschalk von Ahle­feldt, dem in Bologna ausgebildeten Theologen und ab 1507 auch Bischof von Schles­wig.

Dabei sollten die meisten der etwa 400 Figuren des 12,6 Meter hohen Schnitzwerks bis auf wenige Festtage (zumindest den Laien-Besuchern der Kirche) hinter Klappen verborgen bleiben, näm­lich die Passions-Szenen bis zum „Pfingstwunder“ und Maria als „Himmelskönigin“. Stets sichtbar waren der „Sündenfall“ und die „Wiederkunft Christi“, hier aber ohne das übliche Droh-Potential, dafür Adam und Eva gleich doppelt mit vier renaissancehaft schönen Figuren. – Das Programm ist Gegenstand vieler Diskussionen.

Dieses Buch beschreibt nicht nur die etwa 30 Szenen dieses Hauptwerks der Husumer Werk­statt von Meister Hans Brüg­ge­mann, sondern auch die anderen »Brügge­mann«-Werke. Das Buch weist ferner auf die wich­tigsten Arbei­ten ihrer Nachfolger hin, von denen etliche in Däne­mark und Schweden erhalten sind.
Das erste »Blaue Buch« über den Bordesholmer Altar hat 1983 Dr. Horst Appuhn herausgegeben und 1987 überarbeitet. Für die vorliegende Aus­gabe konnte Dr. Jan Friedrich Richter (Berlin) als Autor gewonnen werden, der 2011 ein kapitales Werk über Hans Brüggemann vorgelegt und zu ihm immer wieder publiziert hat. Mit Richter löst einer der besten »Brügge­mann«-Kenner den Text von Appuhn ab. Gleichzeitig wird auf einige der 1987 von Appuhn behandelten Themen aus dem kulturgeschichtlichen Umfeld des Altars in den Bild­-Bei­schriften dieser Ausgabe hin­gewiesen.
Von den 100 Bildern dieser Aus­gabe stammen knapp 30 Farb­aufnahmen von Alexan­der Voss (Altenholz bei Kiel) aus dem Jahr 2008, als der Altar frisch gereinigt worden war, während über 20 Schwarz­weiß-Aufnah­men zu der 1953 von Appuhn aufgenommenen Brüg­ge­mann-Serie gehören.

So entstand eine anregende Mischung von »alten« und »neuen« Bildern sowie von aktuellen Fakten und teils kontroversen Meinungen, wobei auch alte Legen­den referiert, aber als solche identi­fiziert werden.

Der bald 500 Jahre alte »Kreuzigungs-Altar« erscheint in diesem Buch als ein Appell an die Kraft der Mensch­en-Freundlichkeit. Selbst das »Jüngs­te Ge­richt« droht hier nicht (etwa mit Höllen­drachen oder dem Zug der Verdammten), eher lädt es ein zu feiern: die Menschlichkeit sogar der gebrochenen und getriebenen Gestalten, und »unterm Strich«, in den Pre­del­len-Szenen, die Ge­mein­schaft freundlich-aufgeschlossener Menschen, die das Mahl teilen.

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